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Mai
06

Opera di Firenze

Das Maggio Musicale Fiorentino bekommt ein neues Zuhause

Das neue Opernhaus in Florenz mit seiner avantgardistischen Architektur und seiner Größe entfaltet nun auch für den Opernbetrieb seine volle akustische Brillanz – das erstklassige Klangerlebnis machten die Akustiker-Experten von Müller-BBM aus Planegg bei München möglich.

Opera di Firenze

Außenansicht Opera di Firenze

Rechtzeitig zum Festival Maggio Musicale Fiorentino wurde das neue Opernhaus in Florenz fertiggestellt. Die feierliche Eröffnung findet am 10. Mai 2014 mit einer großen Opern- und Ballettgala unter Leitung von Maestro Zubin Mehta statt.

Die neue „Opera di Firenze“, wie der herausragende Kulturkomplex offiziell heißt, wird die neue Heimat des Maggio Musicale Fiorentino, welches aus dem Teatro Comunale in die neuen Räume umzieht und zudem das namensgleiche älteste Musikfestival in Italien veranstaltet. An diesem haben schon viele berühmte Sänger und Dirigenten wie Plácido Domingo, Luciano Pavarotti, Bruno Walter, Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan teilgenommen. Zu den Komponisten, die ihre Werke beim Maggio Musicale selbst aufgeführt haben, gehören Richard Strauss, Paul Hindemith, Bela Bartok und Igor Strawinsky.

Der neue Komplex soll Platz für 5.000 Gäste in drei parallel nutzbaren Veranstaltungsbereichen bieten: dem Opernsaal mit 1.800 Plätzen, dem noch fertigzustellen den Konzertsaal mit 1.000 Plätzen und der sogenannten „Cavea“, einem Open-Air Auditorium auf dem Dach über dem Opernsaal für 2.200 Zuschauer.
Bereits bei der vorläufigen Einweihung im Dezember 2011 hatte die Akustik des Florentiner Opernsaals die Fachwelt begeistert. Jürgen Reinhold und sein Team hatten den rechteckigen Baukörper mit der sichtbaren Hufeisenform des Raums dadurch in Einklang gebracht, dass sie ein akustisch transparentes Metallnetz vor die Wände hängten. Dahinter verbergen sich die akustisch wirksamen Elemente und Oberflächenstrukturen, etwa Diffusoren zur Schallstreuung oder verschiedene Reflektoren, die Reflexionen ins Publikum lenken. Das Publikum genießt somit den optischen Eindruck eines klassisch anmutenden Theaters, doch der Klang wird von der akustisch bewährten Rechteckform gelenkt.

Flexibel und innovativ: Orchestergraben und Bühne

Seit 2012 wurde der Opernsaal bereits für konzertante Aufführungen genutzt. In der Zwischenzeit wurden der Orchestergraben samt Bühnenmaschinerie fertiggestellt.
Nun steht eine vollwertige bühnentechnische Ausstattung mit verfahrbaren Portaltürmen, einer Lichtbrücke sowie einer Vielzahl an Laststangen- und Punktzügen zur Abhängung der Kulissen zur Verfügung. „Drei Podien, die unabhängig voneinander in der Höhe verstellt werden können, unterteilen den Orchestergraben und erlauben es, die akustische Balance zwischen den Sängern auf der Bühne und dem Orchester individuell abzustimmen“, sagt Jürgen Reinhold von Müller-BBM, der gemeinsam mit den römischen Architekten von ABDR diesen futuristischen Saal geplant und das akustische Konzept seit sechs Jahren entwickelt hat. „So werden z. B. große Orchesterbesetzungen tiefer abgesenkt, um die Lautstärke zugunsten der Sänger zu reduzieren. Auch die Brillanz des Klanges kann man so beeinflussen.“ Die Grabengröße lässt sich durch Verwendung von zwei oder drei Podien zwischen 105 m² und 145 m² variieren. Maestro Mehta, seine Musiker, Sänger und Choristen, die ihren Saal lieben und die hervorragende Akustik schätzen, nutzen die Proben vor der Gala, um nunmehr mit diesen Möglichkeiten wie auf einem neuen „akustischen Instrument“ zu spielen. „Man hat das Gefühl, von dem Saal geradezu umarmt zu werden“, schwärmte Maestro Mehta bereits 2011.
Für sinfonische Konzertdarbietungen entstand eine neue mobile Orchestermuschel, die innerhalb weniger Stunden auf- und abgebaut werden kann. Somit können auch künftig im Opernsaal Konzerte für bis zu 2.000 Besucher stattfinden.

Variabel und individuell: Die Probenräume

Auch die Probenräume sind variabel gestaltet, so lässt sich z. B. die Akustik der unterschiedlich großen Säle mit Volumina zwischen 150 m³ und 3.200 m³ variieren: Durch Vorhänge und Stoffrollos vor den Holzwänden können die Künstler die Schallabsorption individuell ihren Wünschen anpassen und so die Nachhallzeiten und das Reflexionsmuster ändern. „Die Künstler finden hier für jede Gelegenheit einzigartige Probenräume vor, von Soloproben bis zu Proben von großen Symphonieorchestern, wie es sie hinsichtlich Anzahl, Größe und Qualität sonst in keinem anderen Theater in Italien gibt“, so Jürgen Reinhold, der schon die Akustik des wieder aufgebauten Teatro „La Fenice“ in Venedig, des „Teatro di San Carlo“ in Neapel, den „Parco della Musica“ in Rom, das Bolschoi Theater in Moskau und zuletzt das neue „Mariinsky II Theater“ in St. Petersburg gestaltet hat.

Perfekter Klang für Musiker, Sänger und Publikum

Wenn am 10. Mai 2014 im neuen Opernsaal die Klänge von Verdi, Ravel und Puccini erklingen, wird viel Prominenz erwartet, zumal der Neubau des Opernhauses eine Herzensangelegenheit des früheren Oberbürgermeisters von Florenz und heutigen Ministerpräsidenten Matteo Renzi ist. Staatspräsident Giorgio Napolitano wird auch erwartet, und die Finanzierung des Maggio Musicale Fiorentino ist nun nach diversen Korrekturen und Einschnitten auf Jahre hinaus gesichert.

Müller-BBM | 02.05.2014

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